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Allbekannter Trippelkünstler – die Bachstelze

13-06-2011 - Ein Bericht von Priv.-Doz. Dr. Martin Kraft, Marburg (Deutschland)

Unsere Bachstelze Motacilla alba gehört zweifelsfrei zu den bekanntesten Vögeln im menschlichen Umfeld, denn sie brütet häufig in Ortschaften, aber auch in der offenen Kulturlandschaft, an Gewässerufern, unter Brücken und an Autobahnen, auf Friedhöfen, in und an Bahnhöfen, in Schrebergärten und auf Sportplätzen und manchmal sogar an Waldrändern oder auf Waldlichtungen. Dichte Wälder meidet sie jedoch.

Bei der Brutplatzwahl sind Bachstelzen nicht besonders wählerisch, denn als Boden- oder Halbhöhlenbrüter finden sie immer irgendwo einen Spalt, in dem sie sich verstecken oder ihr Nest bauen können. Oft werden Holzstapel, Heu-, Reisig- und Steinhaufen zum Nisten genutzt. In Ortschaften brütet sie oft an Hütten und Häusern, oft auch in Halbhöhlen. Wie der Name schon sagt, so kommt sie häufig an unseren Gewässern vor, aber manchmal auch fernab von diesen.

Bachstelzen zeigen vor uns Menschen kaum Scheu, weil sie sich mit uns arrangiert haben und sogar von uns Menschen profitieren. Finden sich noch alte Bauernhöfe mit Vieh, Hühnern und Misthaufen, so ist die Bachstelze immer anwesend und zeichnet sich durch fleißiges Vertilgen von Insekten und anderen Wirbellosen aus. Zur Brutzeit sieht man sie auf Höfen, auf Wegen und an Gewässerufern bei der Nahrungssuche. Dabei werden immer wieder dieselben Strecken angelaufen, begleitet durch ständiges Schwanzwippen, dessen Funktion noch nicht vollends geklärt ist. Sicher ist, dass dadurch Insekten aufgescheucht werden und die Bachstelze durch Körperauflösung (Somatolyse) vor Feinden besser getarnt ist. Diese Reviere werden erbittert gegen Eindringlinge verteidigt, da diese oft versuchen, hinter dem Revierinhaber unbemerkt herzulaufen.

Im April werden zumeist 5 bis 6, manchmal auch 7 – 8 hellgraue, dunkle gesprenkelte Eier gelegt, die fast etwa 12 bis 14 Tage fast nur vom Weibchen bebrütet werden. Beide Eltern beteiligen sich an der Fütterung der Jungvögel, die nach etwa 13 bis 16 Tagen das Nest verlassen. Auch die unscheinbarer gefärbten Jungen, die am Kopf und auf der Brust viel weniger kontrastreich schwarz-weiß gezeichnet sind, können schon sehr schnell trippeln, dass man sie regelrecht über den Boden rollen sieht. Und das Schwanzwippen beherrschen sie auch schon in Vollkommenheit. In manchen Jahren kommt es sogar zu Zweitbruten, wenn genügend Nahrung vorhanden ist.

Bachstelzen sind Kurzstreckenzieher, die bereits im Februar im Brutgebiet eintreffen und dieses ab September bis November wieder verlassen. Ihre Überwinterungsgebiete befinden sich im Mittelmeerraum und in Nordafrika. Außerhalb der Brutzeit bilden sie große Schlafgemeinschaften, die selbst inmitten von großen Städten in alten oder dichten Bäumen und Büschen zu finden sind. Dabei kann man manchmal tausende von Bachstelzen zählen. Während des Zuges rasten Bachstelzen oft auf frisch gepflügten Feldern, denn dort gibt es immer reichlich Nahrung. Auch bei uns kann man im Frühjahr und Herbst manchmal viele hundert Bachstelzen auf Äckern und feuchten Wiesen sehen. Im Flug zeichnen sie sich durch ihren auffallenden Wellenflug aus.

Obwohl die Bachstelze allbekannt ist, wissen nur wenige Menschen, dass sie zu den wenigen Vögeln gehört, die bei auftauchenden Luftfeinden wie Habichte, Sperber, Baum- und Turmfalken, diese unter lautem und anhaltendem Gesang verfolgt. Während andere Vogelarten Warnrufe äußern, übernimmt hier der Gesang diese Funktion. Der eigentliche Reviergesang klingt ebenso, ist aber in der Regel etwas leiser. Im Zuge der globalen Klimaerwärmung versuchen immer mehr Bachstelzen, auch bei uns in Mitteleuropa zu überwintern. Ihre Zahlen kann man dann am besten an ihren Schlafplätzen erfassen. Achten Sie mal darauf, denn es kann eine lohnende Aufgabe sein!



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