Bunter Schmetterling mit stolzem Namen - der Admiral
02-08-2011 - Ein Bericht von Priv. – Doz. Dr. Martin Kraft, Marburg (Deutschland)
In meiner späten Kindheit hatte ich eine Phase, in welcher ich ein ausgesprochener Schmetterlingsfan und Sammler war. Fast alle heimischen Arten hatte ich in meiner großen Sammlung, aber einer faszinierte mich besonders – der Admiral Vanessa atalanta. Dieser wunderschöne Tagfalter gehört in die weltweit etwa 6000 Arten umfassende Familie der Edelfalter Nymphalidae, die damit ein Drittel aller Tagfalterarten umfasst. Der dunkle, recht große Schmetterling zeigt ein ziegelrotes Band und weiße Flecken auf den Vorderflügeln, womit er sicherlich zu den schmucksten heimischen Arten zählt.
Er kommt im westlichen Nordafrika ebenso vor wie auf den Kanaren, den Azoren, im Iran, in fast ganz Europa, außer dem hohen Norden, ja selbst in Mittelasien, auf Neuseeland, in Nordamerika bis Guatemala und auf der Karibik-Insel Hispaniola ist der hübsche Wanderfalter beheimatet. Nur selten überwintern Admirale nördlich der Alpen, aber in den letzten Jahren kommt das häufiger vor, was wohl eine Folge der globalen Klimaerwärmung ist. Man findet sie im Winter dann auch in Gebäuden. In milden Wintern sitzen die ersten Admirale schon gegen Ende Januar an warmen Plätzen, um sich zu sonnen. In der Regel treten sie jedoch erst im März und April in Erscheinung.
Die Eier werden in Europa an Brennnesseln und an nah verwandte Pflanzenarten abgelegt. Sie bilden nur eine Generation von Mai/Juni bis Oktober. Im Spätsommer und Herbst saugen Admirale gerne an gärendem Fallobst wie Birnen und Pflaumen. In unserem alten Streuobstgarten in Mittelhessen konnte man manchmal im September/Oktober bis zu 30 dieser schönen Falter bewundern. Dort war ich dann auch beim Fang am erfolgreichsten. Heute sammle ich keine Schmetterlinge mehr, denn dafür muss man sie töten, was mir als Kind schon nicht leicht fiel. Hinzu kommt, dass Schmetterlinge im Zuge der intensiven Landwirtschaft nach wie vor bei uns ein sehr schweres Leben haben.
Auf Brachflächen, an Acker- und Wegrändern, auf Waldlichtungen und neuerdings auf den zunehmend auch in Ortschaften angepflanzten Blumenwiesen finden die Admirale genügend Möglichkeiten, um Blütennektar zu saugen. Obstgärten spielen vor allem im Spätsommer und Herbst eine sehr wichtige Rolle. Das Gros der Admirale verlässt unsere Breiten im September und Oktober. Dabei fliegen sie oft an warmen Herbsttagen mit viel Sonne. Sobald sich der Nebel gelichtet hat und der Himmel voller Zugvögel ist, erscheinen auch die Admirale, die knapp üder dem Boden über Feldern und Wäldern, über Ortschaften und durch die Flussauen ziehen, nicht selten aber auch in mehreren hundert Metern Höhe. Die Alpen werden auch an geeigneten Pässen überflogen. Während unserer systematischen Zugvogelerhebungen im Marburger Raum können wir manchmmal in einer Stunde bis zu 400 und mehr ziehende Admirale zählen, wobei sie einzeln oder in kleinen Gruppen fliegen. Bei Windstille fliegen sie zwischen 15 und 20 km/h, aber bei leichten Rückenwinden erreichen sie leicht die doppelte Fluggeschwindigkeit. Durch ihre dunkle Färbung mit den orange-roten Vorderflügeln und den eleganten und raschen Flug, bei dem sie auch immer wieder Segelphasen einlegen, sind sie auch noch in einiger Entfernung gut zu erkennen.
Je nach Witterung gibt es sehr unterschiedliche Jahre des Erscheinungsbildes (Phänologie) in unseren Breiten. In trockenen und warmen Frühjahren wandern sie vermehrt in Europa ein. Stimmen dann auch hier die Bedingungen, indem sie genügend Futterpflanzen zur Eiablage und gute Nahrungsbedingungen für die kommende Generation finden, dann können sie in großen Massen auftreten, was allerdings lokal sehr unterschiedlich sein kann. So kennen wir Jahre, in denen im Sommer kaum Admirale bei uns zu sehen waren, während unserer herbstlichen Zugvogelerfassungen aber hunderte und tausende von ihnen von Nord nach Süd oder Nordost nach Südwest wanderten. Dabei fliegen sie bis in den Mittelmeerraum und nach Nordafrika, welches eine unglaubliche Energieleistung für einen so filigranen Insektenkörper darstellt.
Aktuell gibt es viel Fallobst und die ersten Admirale saugen schon daran. Das ist dann eine sehr gute Möglichkeit, um einen der schönsten Schmetterlinge ganz aus der Nähe zu beobachten!
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