Beerentragende Sträucher – Futter und Nistgehölz für Vögel

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Beerentragende Sträucher – Futter und Nistgehölz für Vögel

In deutschen Gärten findet man vielfach nur einheitlich grünen Rasen oder versiegelte Flächen, auf denen nicht mal ein Grashalm wachsen darf! Und mindestens einmal pro Woche wird der Rasen geschoren, dass alles „sauber und ordentlich“ aussehen soll. Die sprichwörtliche Reinlichkeit der Deutschen kommt in deren Gartengestaltung voll zur Geltung. Im Kampfanzug robbt der Gartenbesitzer über den Boden und vernichtet jedes Gänseblümchen und jeden Löwenzahn, damit bloß kein Farbtupfer das Einheitsgrün stört. Am Rand oder manchmal auch in der Mitte stehen dann dünne Atlaszedern oder dicht wuchernde Zypressen, weil man sich gegen die neugierigen Blicke der ohnehin nicht geliebten Nachbarn abschotten muss. Manche fremdländischen Pflanzen erinnern in ihrer mageren Gestalt tatsächlich an Fernsehantennen oder sonstige technischen Errungenschaften.

Wenn ich so etwas sehe, überfällt mich nicht nur kaltes Grausen, sondern auch eine gewisse Wut, denn es ist doch so leicht, in seinem Garten hochstämmige Obstbäume und Beerensträucher zu pflanzen, einen kleinen Teich und eine Blumenwiese anzulegen. Inzwischen zeigen sich auch in innerstädtischen und dörflichen Bereichen starke Bestandsrückgänge bei Schmetterlingen, Vögeln und anderen Tieren. Wir wollen aber doch die biologische Vielfalt fördern, denn je strukturreicher unsere Gärten sind, umso höher ist die Tier- und Pflanzendichte. Da ist dann wirkliches Leben um uns herum, eine Vielfalt, die sich innerhalb der Jahreszeiten in unterschiedlicher Weise zeigt. Im Frühjahr sollten wir Refugien für Schneeglöckchen und Krokusse schaffen, aber auch die Schmetterlingssträucher sollten wir haben, denn deren Blüten werden von vielen verschiedenen Tag- und Nachtfalterarten besucht. Wir sollten Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume haben, deren unterschiedliche Blütenfarben unsere Gärten sichtbar verschönern. Als ganz wichtige Ergänzung sollten wir verschiedene einheimische Beerengehölze haben, wobei der „Gemeine Schneeball“ der „Rote Hartriegel“, der „Faulbaum“, die „Eberesche“ oder der „Schwarze Holunder“ bei Vögeln besonders beliebt sind. Auch „Flieder“, „Pfaffenhütchen“, „Schneebeere“, „Liguster“, „Hasel“, „Hainbuche“, „Schlehe“ und „Weißdorn“ gehören in unsere Gärten. Hier und da sollte sich auch ein Reisighaufen oder eine aus alten Reisern bestehende Hecke finden, damit es auch Igel und Kleinlebewesen besonders gut haben. Die Wände von Häusern und Schuppen sollten mit „Wildem Wein“, „Hopfen“ oder „Efeu“ bewachsen sein, denn darin können beispielsweise Zaunkönige und Grauschnäpper brüten.

Die Beerensträucher bieten nicht nur einigen Arten geschützte Brutplätze, sondern auch ein reichhaltiges Nahrungsangebot, welches im Spätsommer zunächst von Arten wie Dorn-, Garten- und Klappergrasmücke, Gartenrotschwanz und Grauschnäpper genutzt wird, aber je näher der Herbst kommt, gesellen sich Amseln, Wacholder-, Sing- und manchmal sogar Rotdrosseln sowie Mönchsgrasmücken, Stare und Zilpzalpe hinzu. Im Winterhalbjahr finden wir dort Arten wie das Rotkehlchen, die Heckenbraunelle, alle Meisen, den Kleiber und in Invasionsjahren sogar den hübschen Seidenschwanz, der sich vor allem an Schneeballbeeren, aber auch an Misteln oder Äpfeln labt. Beerensträucher spenden wie Obstbäume und andere Laubgehölze im Sommer Schatten, während sie im Winter das Sonnenlicht durchlassen und mit den vielen bunten Beeren große Scharen Vögel anlocken. Besonders schön sieht es aus, wenn der erste Schnee auf den roten Beeren des Schneeballs oder der Eberesche liegt und Gimpel mit Seidenschwänzen um die Farbenpracht wetteifern!

Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man einen öden Garten mit Rasen und fremdländischem Magergehölz oder einen vielfältigen Garten mit Blumenwiesen, Beerensträuchern und Obstbäumen hat! Wir holen uns das vielfältige Leben direkt in unser nahes Umfeld, eine Vielfalt, die zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz auf uns Menschen ausübt. Ordnung und Sauberkeit kann man gerne in der Wohnung anwenden, aber unsere Gärten sollten bunt und lebensfroh sein!

Prof. Dr. Martin Kraft


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