Welche Pflanze sollte in keinem vogelfreundlichen Garten fehlen – auch wenn dieser noch so klein ist?!

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Welche Pflanze sollte in keinem vogelfreundlichen Garten fehlen – auch wenn dieser noch so klein ist?!

Vögel haben den großen Vorteil, dass man sie allerorten und rund ums Jahr beobachten kann, aber natürlich gibt es da große Unterschiede! In einer städtischen Betonwüste werden wir wohl kaum mit einer großen Arten- und Individuenzahl rechnen können, aber in Stadtparks, auf Friedhöfen, in botanischen und zoologischen Gärten, in Schrebergärten oder auf Streuobstwiesen an den Ortsrändern sieht das schon ganz anders aus. Oft reicht aber auch schon ein kleiner Privatgarten aus, um Vögel der unterschiedlichen Arten anzulocken, wenngleich die Vielfalt mit der Größe des Gartens steigt.

Wichtig ist erst einmal, großen Abstand von der Sauberkeitsmanie zu nehmen, denn der Ordnungssinn ist gerade bei den Deutschen besonders stark ausgeprägt. Sobald die ersten Grashalme ergrünen und in die Höhe schießen oder sich kleine Gänseblümchen in großer Zahl zeigen, ergibt man sich geradezu aufopfernd dem Sauberkeitsfimmel, denn mehr als ein Fimmel, ein völlig überflüssiger, ist es wirklich nicht! Selbst ordnungsliebende Menschen sollten einsehen, dass die vermeintlich unordentliche Natur auch sehr schön und anziehend sein kann. Lassen wir also den Rasen ruhig einmal wachsen bis sich viele bunte Blumen einstellen, die wir ebenfalls stehen lassen, damit sie ihre bunten Blüten frei entfalten können. Dabei sehen wir ganz verschieden große und bunte Pflanzen im Laufe eines Jahres. Erste Winterlinge und Schneeglöckchen zeigen sich schon im Januar, bunte Krokusse im Februar/März während manche Aster bis in den Spätherbst in wunderschönen Farben erstrahlt. Je mehr Blüten wir im Garten haben, desto mehr Insekten finden sich ein, darunter auch fleißige Bienen und bunte Schmetterlinge, aber auch Käfer, Heuschrecken, Fliegen und Libellen. Letztere kommen sofort, wenn wir einen kleinen Teich anlegen. Diesen sollte man mit einheimischen Pflanzen ausstatten.

Gartenhäuschen, Hauswände oder Zäune eignen sich hervorragend für Rankenpflanzen wie Wilder Wein, Efeu oder Hopfen. Daneben sollten sich natürliche Hecken aus Hasel, Hainbuche oder Liguster finden. Wichtig sind Beerensträucher, weil sie einerseits sichere Brutplätze bieten und andererseits im Spätsommer und Herbst eine Menge Beeren liefern, die von vielen Vögeln verzehrt werden, vor allem auch als Energielieferanten für den anstrengenden Flug in den Süden. Bei der Gartengestaltung sollte man aber immer darauf achten, dass man einheimische Beerensträucher und Obstbäume und am besten gar keine fremdländischen Koniferen pflanzt. Bei den Beerensträuchern sollte man die aussuchen, deren Früchte auch häufig von Vögeln genommen werden. Dazu zählen beispielsweise Eberesche (Vogelbeere), Faulbaum, Roter Hartriegel, Roter und Schwarzer Holunder, Liguster sowie der Gemeine Schneeball. Unter den Obstbäumen sollten auf jeden Fall Apfel- und Kirschbäume sein, aber auch Birn- und Pflaumenbäume. Schön sehen auch immer die verschiedenen Arten der Heckenrose aus, die als Früchte Hagebutten liefern, die ebenfalls oft von Vögeln gefressen werden. Bei den Apfelbäumen sollte man heruntergefallene Äpfel immer liegen lassen, denn diese halten sich manchmal bis zum nächsten Frühjahr. Damit bieten sie reichlich Nahrung für Amseln, Wacholderdrosseln, Stare, aber in manchen Wintern auch für die außergewöhnlich hübschen Seidenschwänze. Daneben können Sie aber auch ein paar Zierblumen und Ziergehölze pflanzen, die das bunte Mosaik eines Gartens abrunden.

Je wilder ein Garten aussieht, desto natürlicher und besser ist er für Vögel und andere Tiere. Ein kleiner gemähter Bereich des Rasens kann durchaus vorhanden sein, denn auch hier finden sich viele Vögel zur Nahrungssuche ein. Beobachten Sie das Treiben der verschiedenen Vogelarten und lernen Sie deren Stimmen im Frühjahr. Mit ein paar Nisthilfen können Sie den Vogelbestand im Garten noch zusätzlich erhöhen. Schöne Gartengesänge können Sie von Rotkehlchen, Singdrossel, Amsel, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper, Garten und Mönchs¬grasmücke hören, doch auch schlichtere Gesänge haben durchaus ihren Reiz. In großen Gärten mit reichlich Obstgehölzen und alten Bäumen finden sich nicht selten Grünspecht, Wendehals, Fitis und sogar der bunte Pirol ein, dessen exotisches Flöten nicht zu überhören ist. Machen Sie also aus Ihrem Garten ein lebhaftes Mosaik aus bunten Blumen, Beerensträuchern, Obstbäumen und Hecken – es lohnt sich!

Prof. Dr. Martin Kraft


 

Pflanzen für einen tierfreundlichen Garten

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