Vogel des Jahres 2019 - die Feldlerche

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Vogel des Jahres 2019 - die Feldlerche

Eines meiner Lieblingslieder ist „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, welches der berühmte Kirchenliedkomponist Paul Gerhardt 1653 verfasste, denn in der 3. Strophe schreibt er:“ Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleugt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder, die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder!“ Damit reflektiert er eine offenbar heile Welt mit schönen Vogelgesängen!

Mit dem klangvollen und ausdauernden Gesang der Feldlerche verbinde ich persönlich den Beginn des Frühlings. Unvorstellbar, wenn dieser nicht mehr erklingen würde! Dass es inzwischen in weiten Teilen Mitteleuropas zu starken Bestandseinbrüchen der Feldlerche gekommen ist, hat mit der nach wie vor sehr intensiv betriebenen Landwirtschaft zu tun, in der kaum ein wildes Pflänzchen zwischen den Nutzpflanzen geduldet wird. Spärlich bewachsene und warme Brachflächen findet man so gut wie gar nicht mehr, aber auch Blühstreifen an Ackerrändern gibt es nur hin und wieder einmal. Besser sieht es dagegen auf den Bio-Äckern und anderen biologisch bewirtschafteten Flächen aus, denn diese ungespritzten und ungedüngten Areale weisen eine hohe Vielfalt an Wildkräutern und Kleinlebewesen auf. Allen voran zeigen sich große Mengen von Insekten, die hier noch gut gedeihen und hohe Reproduktionsraten haben. Damit bieten sie eine solide Nahrungsgrundlage für viele Feldvögel.

Mit der Wahl der Feldlerche zum Vogel des Jahres 2019 wollen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) auf die starken Bestandsrückgänge der Feldlerche und anderer Vögel der offenen Kulturlandschaft aufmerksam machen. Dabei ist es wichtig, dass die Feldlerche als Leitart immer wieder in den Medien präsent ist! Sie gehört zu den bekanntesten Vögeln unserer Heimat und ist somit hervorragend geeignet, um auf das große Problem des drohenden Aussterbens mancher Tier- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft hinzuweisen. Vor allem aber braucht sie politisches Gehör, damit durch entsprechendes Handeln, nachhaltige Maßnahmen zum Erhalt einer vielfältigen Feldflur ergriffen werden. Das Wort „Bio-Diversität“ ist zwar in aller Munde, doch fehlen die Taten, um eben diese biologische Vielfalt zu wahren und zu fördern. Das kann nur gelingen, wenn endlich Glyphosat als hypergiftiges Herbizid  - am besten europaweit – verboten wird! Weiterhin ist es wichtig, dass bei Landwirten, die nicht bereit sind, auf ökologischen Landbau umzustellen, darauf gedrungen wird, wieder mehr Flächen mal brach liegen zu lassen oder Blühstreifen mit einheimischen Wildkräutern zu schaffen. Auch sollten wieder mehr Wiesen mit mäßiger Beweidung in den Vordergrund rücken. Der biologische Landbau sollte viel mehr in Werbesendungen genannt werden, denn hier finden sich noch Bereiche, in denen die Feldlerche um ein Vielfaches häufiger ist als auf intensiv genutzten Äckern und Wiesen.

Ich selbst war mal in einem Projekt tätig, das sich „Lebensraum Brache“ nannte. Dabei wurden stillgelegte und andere Flächen mit einer speziellen Saatgutmischung alter Kulturpflanzen ausgestattet, um wieder mehr pflanzliche Vielfalt zu garantieren. Diese an Brachen erinnernden Bereiche wurden mit intensiv bewirtschafteten Flächen direkt verglichen. Es zeigte sich, dass nicht nur die Gesamtartenzahl, sondern auch die Abundanz (Häufigkeit) der Feldvögel, insbesondere auch der Feldlerche, teilweise zehnmal so hoch war als auf den intensiv bewirtschafteten Flächen. Die Saatgutmischungen wirkten wie Magnete auf viele Vögel, nicht nur auf die darin brütenden, sondern auch auf viele durchziehenden Arten. Plötzlich riefen wieder Rebhühner, trugen Feldlerchen ihren tirilierenden und Goldammern ihren melancholischen Gesang vor. Es brüteten sogar Neuntöter, Braun- und Schwarzkehlchen, Baum- und Wiesenpieper sowie Schafstelzen und Rohrammern auf den Saatgutfeldern. Unter den Zugvögeln zeigten sich ansehnliche Zahlen Heidelerchen, Brachpieper und Rohrammern. Und dazu endlose Zahlen rastender Finkenvögel. An diesem Beispiel wird deutlich, dass wir mit nur wenigen Maßnahmen dafür sorgen können, um den in der Kulturlandschaft lebenden Vögeln wieder deutlich bessere Lebensbedingungen zu bieten, aber wir brauchen Taten und nicht nur Lippenbekenntnisse! 

Wir wollen doch nicht schleichend auf den stummen Frühling hinsteuern, nein, wir wollen, dass Pestizide und maßlose Düngung aus unseren Agrarlandschaften verschwinden, dass wieder mehr Brachflächen, Blühstreifen und bunte Wiesen zu finden sind. Erst dann können wir wieder bedenkenlos singen „die Lerche schwingt sich in die Luft!“ Herrlicher kann kein Frühling sein! 

Prof. Dr. Martin Kraft


Zwei hübsche Artikel zum „Vogel des Jahres 2019“:

 

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