Wie kann man Kinder für die Vogelwelt begeistern?

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Wie kann man Kinder für die Vogelwelt begeistern?

Im virtuellen Zeitalter, in dem Smartphones und Tablets bei jungen Menschen leider nicht mehr wegzudenken sind, ist es sehr wichtig, vor allem Kinder wieder für die Natur zu begeistern. Schließlich sollen sie auch viel Zeit an der frischen Luft verbringen und nicht vor viereckigen Bildschirmen versauern und sich Augenschäden zuziehen. Vögel eignen sich sehr gut, um Kindern die Natur schon vor der eigenen Haustüre näher zu bringen!

Ich selbst habe schon viele Kinder in Kindergärten oder in Schulen betreut, wobei es aufgrund der unterschiedlichen Charaktere auch verschiedene Vorlieben für unsere Mitgeschöpfe gibt. Sehr gut ist es immer, wenn Kinder in Bastel- und Bauaktionen einbezogen werden, denn dann können sie ihre eigenen Objekte bestaunen und deren Wirkung auf Vögel, Fledermäuse oder Insekten testen. Die Konstruktion unterschiedlicher Nistkästen oder Insekten-Hotels schafft eigentlich immer eine große Begeisterung. Das kann in der Schule, im Kindergarten, aber auch im Freiland geschehen. Solche Aktionen sollte man auch stets mit kleinen Grillfeiern begleiten, damit die Kinder voll auf ihre Kosten kommen. Nach dem Bau der Nistgeräte empfehlen sich Exkursionen, um diese an geeigneten Standorten anzubringen. Dabei ist es immer sinnvoll, Nistkästen auch in Augenhöhe aufzuhängen, damit sie besser zu kontrollieren sind.

Im Winterhalbjahr sollte man zudem auch Futterhäuschen oder Vogelbäder basteln, weil in dieser Zeit auch vom Kinderzimmer aus viele interessante Beobachtungen gemacht werden können. Kinder lernen rasch, dass es eine Fülle unterschiedlicher Vogelarten schon im eigenen Garten gibt. Damit sie diese auch bestimmen können, sind übersichtliche Bestimmungsbücher mit Farbtafeln der einzelnen Arten und deren typischen Merkmalen unerlässlich. Naht der Frühling, sollte man sich mit Vogelstimmen-CDs oder aber mit Vogelstimmen-Apps auf dem Smartphone ausstatten. Auf Exkursionen sollte man den Kindern so viel Freiraum wie möglich lassen, aber auch ganz klar zeigen, dass es wichtig ist, die Vögel nicht zu stören. Viel Geduld und Neugier sind bei Kindern ebenfalls erforderlich. Als Lehrer muss man jedoch nicht nur viel Geduld, sondern auch eine ausgezeichnete pädagogische Fähigkeit besitzen, um alle Fragen der Kinder beantworten zu können. Wenn man neben der reinen Wissensvermittlung auch noch ein paar Anekdoten zur Auflockerung erzählen kann, sind Kinder leicht zu begeistern. Ich selbst animiere jedes Kind, auch immer mal in die Luft zu schauen oder Büsche und Bäume abzusuchen, denn werden Kinder mit ihren scharfen Augen rasch fündig, erhalten sie immer ein deutliches Lob, wodurch sie noch mehr zum Auffinden von Vögeln angespornt werden.

Exkursionen können zu allen Tageszeiten angeboten werden, wobei man als Leiter immer auch für ausreichend Ferngläser und Bestimmungsbücher sorgen sollte. Zudem empfiehlt sich das Mitnehmen von Keschern, um vielleicht mal einen Schmetterling oder eine Libelle zu fangen, oder auch in kleinen Tümpeln zu fischen. Dann ist man den verschiedenen Kleinlebewesen sehr nah und kann sie sehr genau studieren. Finden Kinder beispielsweise seltene Schmetterlinge oder auch mal eine Maulwurfsgrille, kann man ihnen erläutern, dass es wichtig ist, im eigenen Garten den Rasen nicht immer kurz zu scheren, sondern auch mal Blühstreifen für Blumen stehen zu lassen. Im Falle des Fundes einer Maulwurfsgrille oder einer behaarten Bärenspinnerraupe kann man den Kindern erklären, dass erstere gerne von Wiedehopfen und letztere oft von Kuckucken verspeist wird. Mit anschaulichen Objekten lassen sich auch leicht ökologische Beziehungsgefüge und Wechselwirkungen erklären. Amphibien eignen sich auch immer sehr gut, die verschiedenen Altersstadien zu zeigen oder auf die teilweise enorme Gefährdung hinzuweisen.

Abends sollte man sich am Lagerfeuer treffen und den Exkursionstag mit alle seinen schönen Facetten Revue passieren lassen. Dabei lassen sich Kinder sehr gut einbetten, denn sie erzählen dann fleißig von ihren aufregenden Erlebnissen. Wenn dann noch ein schnurrender Ziegenmelker oder der tiefe Gesang eines Uhu-Männchens zu hören sind, wird man einen interessanten Tag mit viel Gefühl und Begeisterung beenden können. Nur wenn man die Lebewesen in unserer Umwelt und deren Lebensweisen kennen lernt, kann man sie vor all den vielen Gefahren, die Ihnen durch viele Umweltsünden drohen, erfolgreich schützen! Bei Kindern wird der Grundstein dazu gelegt – und das ist wichtig und gut so!

Prof. Dr. Martin Kraft


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