Live-Webcams – neu dabei ist der Gartenrotschwanz

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft,

MIO - Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie e.V. 

Gartenrotschwanz

Ab dem 1. März 2020 hat VIVARA wieder seine Live-Webcams eingeschaltet. Bereits im vergangenen Jahr habe ich dazu alle betroffenen Vogel-Kandidaten vorgestellt. In diesem Jahr ist auch der hübsche Gartenrotschwanz dabei, den ich später eingehend beschreibe.

Will man einen genauen Einblick in das Leben der Vögel während der Brutzeit bekommen, so sind Webcams (Live-Kameras) sehr hilfreich, weil man zuhause am PC oder auch unterwegs auf dem Handy alles in Ruhe anschauen kann und damit immer auf dem neuesten Stand ist. Mit Hilfe der Live-Kameras kann man das Balzverhalten, die Eiablage, die Eier (wenn Vögel mal kurz das Nest verlassen), das Brutgeschehen, Brutablösungen, die Jungenaufzucht und das Ausfliegen live dokumentieren und Sie als Zuschauer können all das miterleben. Zudem können eventuelle Nesträuber auch aufgezeichnet werden! Das Ganze ist also eine lehrreiche, völlig störungsfreie und außerordentlich spannende Möglichkeit, das Leben der Vögel direkt zu studieren. Es gibt auch immer wieder Überraschungen! Wir bekommen also Einblick in sonst verborgene Dinge, die uns die Chance geben, erstens die Vögel und ihr Verhalten näher kennen zu lernen, und zweitens das Erlernte auch wieder gut für wichtige Naturschutzmaßnahmen einzusetzen.

In diesem Jahr ist erstmals auch der hübsche Gartenrotschwanz dabei: 

Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)

Brutbiotope: Brütet in Baum-, Felsen- und Mauerhöhlen, auch in Ritzen und Spalten an Gebäuden sowie in Halbhöhlen-Nistkästen. Er verschmäht aber auch normale Meisen-Nistkästen aus Holz oder Holzbeton nicht. Man findet ihn sowohl in lichten Laub- und Laubmischwäldern, an Waldrändern, auf sonnendurchfluteten Waldlichtungen mit einzelnen Bäumen als auch auf Streuobstwiesen, in Feldgehölzen, auf Friedhöfen, in Parks und Gärten.
Gelege und Legezeit:
5 – 7 blaugrünliche Eier, die vom Weibchen vorwiegend im April gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten:
Oft 2 Jahresbruten von etwa 13 - 14 Tagen. 
Hauptsächlich das Weibchen brütet.
Nestlingszeit:
Die Jungen bleiben etwa 12 – 15 Tage in ihrer Bruthöhle und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten.

Zur Webcam Gartenrotschwanz (erst ab April live)

Im Volksmund nennt man den Garten- und Hausrotschwanz „Rotschwänzchen“. Der Gartenrotschwanz ist ein allbekannter Singvogel, die im Frühling bereits lange vor Sonnenaufgang den Tag mit seinem wohlklingenden Gesang einläutet. Der Gartenrotschwanz gehört zweifellos zu den Vogelarten, mit denen ich sehr vertraut bin, weil ich ihn schon als kleiner Junge am Haus meiner Eltern und im Umfeld desselben kennenlernen durfte. Die überaus farbenfrohen Männchen des Gartenrotschwanzes kommen in den letzten Jahren ob des Klimawandels merklich früher aus ihren afrikanischen Quartieren südlich der Sahara zurück. Inzwischen gibt es aber auch schon Überwinterungen in Nordafrika, Kleinasien und im Mittelmeerraum. Es ist nicht selten, dass bei uns die ersten Männchen schon Ende März mit ihrem lieblichen Gesang beginnen. Dieser wird oft von Baumspitzen, aber auch von Dächern, Antennen und Lampen aus vorgetragen. Leider kam es in den späten 1970ern bis zu Beginn der 1990er Jahre zu deutlichen Bestandsrückgängen, aber ab etwa Ende der 1990er Jahre zeigen sich wieder leichte Bestandserholungen!

Mit 13 – 14,5 cm Länge ist der Gartenrotschwanz etwa so groß wie eine Kohlmeise, doch ist er schlanker, steht oft aufrecht und fällt durch sein ständiges Schwanzzittern auf. Die alten Männchen gehören zweifelsfrei zu unseren buntesten Singvögeln. Im Prachtkleid hat das Männchen eine weiße Stirn, eine schwarze Kehle und eine orange-rote Brust. Der Mantel ist aschgrau und die Flügel sind dunkel, während Bürzel, Oberschwanzdecken und Schwanzfedern rostrot sind. Allerdings sind die beiden mittleren Steuerfedern stets dunkelbraun bis schwärzlich. Im Schlichtkleid (Herbst bis Frühwinter) sind vor allem die schwarze Kehle und die orange-rötliche Brust durch helle Federsäume verdeckt, sodass die Vögel dann etwas geschuppt aussehen. Die wesentlich schlichter gefärbten Weibchen sind am Kopf und auf der Oberseite hell graubraun bis sandfarben, haben einen hellen Augenring und eine aufgehellte Kehle sowie eine schwach orange-rötlich getönte Vorderbrust. Der Schwanz ist wie beim Männchen roströtlich mit den beiden dunklen zentralen Steuerfedern. Damit sieht das Weibchen dem weiblichen Hausrotschwanz sehr ähnlich, ist aber deutlicher heller bräunlich. 

Manchmal sieht man im September Gartenrotschwänze im Schlichtkleid, zumeist junge Männchen, die in der Farbe an die Weibchen erinnern, aber zumeist dunklere Ohrdecken, einen weißlichen Überaugenstreif und eine grau gewölkte Kehle zeigen. Die orange getönte Brust weist beige gefärbte Federränder auf.
Unser Gartenrotschwanz ist ein fleißiger Sänger, dessen Lied fast immer mit einem hohen „sih“ eingeleitet und mit einer meist abfallenden und unterschiedlichen Zwitscherstrophe beendet wird. Oft werden auch Stimmen anderer Singvogelarten imitiert. Wie der Name schon sagt, so brüten Gartenrotschwänze als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter oft auch in Gärten, sofern diese viele alte Laub- oder Obstbäume aufweisen.

Mit den Live-Webcams kommen Sie dieser Vogelart sehr nahe, ohne dass Sie die Vögel stören. Genießen Sie also das Leben des Gartenrotschwanzes und weiterer Arten aus der Nähe. Es lohnt sich!

Prof. Dr. Martin Kraft 

 


 

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