NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ 2017

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“

Auch in diesem Jahr ruft der NABU zur Mitmach-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ vom 12. bis 14. Mai auf. An diesem Wochenende sollen bundesweit alle Vögel in Gärten gezählt werden. Diese Aktion findet bereits zum 13. Mal statt und erfreut sich alljährlich einer sehr großen Beliebtheit. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, Vögel aus der Nähe zu beobachten und an einer bundesweiten Aktion teilzunehmen, sondern es gibt dabei auch tolle Preise zu gewinnen. Jedes Jahr am zweiten Maiwochenende sind alle Naturfreunde aufgerufen, Vögel zu notieren und zu melden. Im vergangenen Jahr konnte sich der NABU über 44.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen, die zusammen über eine Million Vögel beobachteten. Natürlich steht die Freude an der Vogelwelt im Vordergrund, doch die Aktion kann sich auch in anderer Weise lohnen, denn es gibt neben Büchern, DVDs und Nistkästen auch ein Fernglas sowie zwei Reisen als Hauptpreise zu gewinnen. Näheres dazu finden Sie auf www.nabu.de

Da ich selbst in langjährige Monitoring-Programme vor allem im Naturraum Marburger Lahntal eingebunden bin, weiß ich aus Erfahrung, dass es bei der Erfassung von Vögeln immer wieder große Überraschungen geben kann. Wichtig ist bei der NABU-Aktion, dass auch Kinder und Jugendliche mitmachen und dabei schöne Erlebnisse haben können. Die Freude, an einer bundesweiten, gleichzeitig stattfindenden Aktion teilzunehmen, bedeutet vielfach auch den Einstieg in die Vogelkunde und in den Naturschutz. Die gemeinsamen Erlebnisse bringen zudem viel Spaß und schaffen auch soziale Kontakte, was gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit besonders wichtig ist. Zudem erhält man einen Überblick, welche Arten in den Gärten in unterschiedlicher Zahl vorkommen. Dabei soll wirklich jedes Individuum einer Art gezählt werden, nicht nur Brutvögel, sondern auch Gastvögel. Je größer und natürlicher ein Garten dabei ist, umso größer ist dann auch die Arten- und Individuenzahl, aber auch kleinere und weniger strukturierte Gärten beherbergen mitunter interessante Vogelarten. Neben allbekannten Arten wie beispielsweise Ringeltaube, Bunt- und Grünspecht, Hausrotschwanz, Rotkehlchen, Amsel, Sing- und Wacholderdrossel, Kohl- und Blaumeise, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Bachstelze, Feld- und Haussperling, Girlitz, Stieglitz, Bluthänfling, Buch- und Grünfink, können sich auch seltenere Arten wie Wiedehopf, Kuckuck, Turteltaube, Wendehals, Grau-, Klein- und Mittelspecht, Pirol, Neuntöter, Gartenrotschwanz, Grau- und Trauerschnäpper, Gelbspötter, Feldschwirl, Sumpf- und Teichrohrsänger und vielleicht sogar ein Karmingimpel oder Ortolan einfinden.

In unseren Gärten kann man dann auch feststellen, welche Habitate zur Nahrungssuche und welche Brutstandorte genutzt werden. Bei der Nahrungssuche lernen wir unterschiedliche Strategien kennen, z.B. Amseln, die Regenwürmer aus dem Boden ziehen, Singdrosseln, die Gehäuseschnecken an bestimmten „Schmieden“ zertrümmern, Spechte, Baumläufer und Kleiber, die unter der Borke der Bäume nach Wirbellosen suchen, Wendehälse und Grünspechte, die Rasenameisen, deren Larven und Puppen verzehren, aber auch Vögel, die sich an von uns ausgelegtem vitamin- und energiereichem Zusatzfutter laben. Man erhält also einen bunt gemischten Überblick zum Leben, zum Aussehen und zur Häufigkeit der Vögel. Wenig bewohnte Gärten können Aufschlüsse darüber gehen, was an Strukturen, Nist- und Nahrungs­grundlagen fehlt, Missstände, die möglicherweise abgebaut werden können. Zudem kann man Vergleiche zwischen den unterschiedlich strukturierten Gärten, den verschiedenen Ortschaften und zu den Vorjahren anstellen, aber bei der Interpretation der Daten sollte man sehr vorsichtig sein, denn Trendanalysen zur Bestandsentwicklung von Vögeln bedürfen nicht nur einer einzigen Jahreszählung, sondern Zahlenreihen, die sich auf ausreichende Begehungen in den Brut- und Zugperioden sowie auf viele Jahrzehnte stützen und statistisch mit einer hohen Signifikanz ausgewertet werden können.

Dennoch erhält man einen sehr guten Überblick der in unterschiedlicher Häufigkeit im Mai in unseren Gärten vorkommenden Arten. Diese Jahreszeit ist besonders schön, weil alle Vögel singen und man die Vogelstimmen erlernen und genießen kann. Deshalb empfehle ich Jung und Alt, bei dieser interessanten Aktion unbedingt mitzumachen!

Prof. Dr. Martin Kraft


 

Vivara-Aktion zur „Stunde der Gartenvögel“

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