Natur-Artikel: Vogeleier – vielfältig in Farbe und Form

von Prof. Dr. Martin Kraft MIO – Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie e.V.

Inzwischen weiß man, dass es auf der Welt etwa 12.000 verschiedene Vogelarten gibt, aber nur von etwa 8.000 Vogelarten kennt man die Eier. Das liegt daran, dass viele Vogelarten in den tropischen Wäldern in hohen, unzugänglichen Bäumen brüten, wovon oft auch sehr kleine Vögel wie Kolibris betroffen sind. Die Farbe und die Form der Vogeleier sind sehr verschieden. So legen Vögel in kälteren Regionen dunklere Eier, die neben der Bebrütung auch von der Sonne aufgeheizt werden, während Vögel in kälteren Regionen zumeist helle Eier legen. 

Viele Eier haben eine elliptische Form, damit sie nicht wegrollen können. So ist es möglich, dass zum Beispiel Koloniebrüter wie die Trottellumme, die in Deutschland nur auf Helgoland brütet, auf schmalen Felsvorsprüngen oder in Felsnischen nisten kann, ohne dass die Eier herunterfallen. Andere Vögel, wie beispielsweise die in Baumhöhlen oder in speziellen Nistkästen brütenden Eulen, legen runde Eier. Manche Vogelarten legen besonders bunte Eier, wobei vor allem grüne und blaue Eier vorkommen, die den Männchen eine besondere Fitness der Weibchen signalisieren, damit es sich lohnt, mit ihnen eine Brut zu beginnen. Viele Bodenbrüter haben helle Eier mit dunklen Mustern, zum Beispiel mit Punkten oder Stricheln, die individuell unterschiedlich sind, wie besipielsweise bei Möwen und Seeschwalben. 

Anhand der spezifischen Muster sind Koloniebrüter in der Lage, ihre Eier innerhalb der vielen tausend Nester zu erkennen. Doch spielt diese Musterung auch für die Tarnung der Bodenbrüter eine Rolle. So ist es oft für uns Menschen sehr schwer, überhaupt Eier am Boden zu entdecken. Dabei denke ich an den Flussregenpfeifer, der bei uns im Lahntal vor allem in den Kiesgruben brütet. Man hört die Vögel und kann sie auch entdecken, wenn sie regelrecht über die Kiesbänke „rollen“, um dann unvermittelt zu verharren, Stoßen sie Warnrufe aus, so kann man sicher sein, dass sich irgendwo ein Nest mit Eiern oder Jungen befindet. Gelingt es einem mit viel Geduld und Glück, die Bodenmulde mit den 4 Eiern als Vollgelege zu entdecken, fällt auf, dass die gesprenkelten Eier eine große Ähnlichkeit mit der Farbe der Kieselsteine haben und somit auch so ähnlich aussehen. Manche Vogelarten legen sehr glänzende Eier, wie zum Beispiel Steißhühner in Südamerika. Die Eier sehen regelrecht lackiert aus, aber man weiß, dass dadurch Fressfeinde irritiert und abgeschreckt werden. Dennoch sind Eier eine sehr beliebte Beute für viele Tiere, und geschickten Räubern gelingt es immer wieder, Nester mit Eiern oder Jungvögeln zu plündern.

Die weltweit kleinsten Eier legt der Hummelkolibri, auch Bienenelfe genannt, auf der Karibikinsel Kuba. Es handelt sich zugleich auch um die kleinste Vogelart überhaupt, die nur auf Kuba, also endemisch, vorkommt. Als ich 1985 im Oktober/November erstmals auf Kuba war, hatte ich das große Glück, diesen Winzling von Hummelgröße an einer Hibiskusblüte direkt vor unserem Hotel in Varadero zu beobachten, wobei ich zunächst tatsächlich glaubte, eine summende Hummel vor mir zu haben. Die Eier vieler Kolibris sind so groß wie oder kleiner und vor allem dünner als Erbsen, während in Deutschland Höckerschwäne und die inzwischen vorkommenden Nandus die größten Eier legen. Weltweit legt der Afrikanische Strauß die größten und schwersten Eier. Die kleinsten Eier Deutschlands legen das Sommer- und Wintergoldhähnchen. 

Generell sind die Eier von weit fliegenden Zugvögeln länglicher, weil der Platz im Beckenraum für rundliche Eier fehlt.

Am bekanntesten sind aber die Hühnereier, die wir alle kennen, wobei die unterschiedlichen Hühnerrassen auch verschieden gefärbte Eier legen. Manche Arten legen sogar grüne Eier.

Ich selbst bin ein großer Eierfan, denn es gibt nichts Schöneres als gekochte Eier, Spiegel- oder Rühreier zum Frühstück. In der jetzigen Coronazeit ist der Verzehr von Eiern sogar sehr wichtig, denn Eigelb enthält relativ viel Vitamin D. Noch deutlich mehr Vitamin D findet sich in Meeresfisch. Ein erhöhter Vitamin D- Spiegel im Blut ist sehr wichtig, weil dadurch unser Immunsystem gestärkt wird, denn jetzt im Winter bekommen wir nicht soviel Sonne ab, deren UV-Strahlen ja auch für einen hohen Vitamin D-Gehalt sorgen.

Genießen Sie also jeden Sonnenstrahl und gönnen Sie sich ein leckeres Eierfrühstück, aber nicht mit Rebhuhn- oder Kiebitzeiern, denn es ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, Eier von Wildvögeln zu sammeln!