Wiesenvögel

Wiesenvögel

Die Webcam-Saison 2016 ist nun offiziell beendet. Vielen Dank an diejenigen, die die erste Vivara Webcam-Saison mit uns miterlebt haben. Zusammen haben wir viel mit den von den Kameras beobachteten Vögeln miterleben können - Nestbau, Balz, Eierlegen, Ausbrüten, Jungen grossziehen...

Viele schöne Moment waren dabei; wir hoffen, Sie hatten viel Freude daran! Wir von Vivara hoffen, dass die Zusammenarbeit nächstes Jahr fortgesetzt werden kann, sodass wir Ihnen auch im Frühjahr 2017 wieder tolle Webcam-Übertragungen und Hintergrundinformationen hierzu zur Verfügung stellen können.

Der Anfang ist auch oft das Ende

Die Nestphase ist oft eine schwierige Zeit; in den ersten Tagen ist das Nest der Uferschnepfe sehr anfällig.

Oftmals wird das erst vor Kurzem gelegte Ei gestohlen. Oder das Nest ist mit Eiern gefüllt und wird nach und nach von Nesträubern wieder gelehrt. Dies ist in den vergangenen Tagen bereits schon vorgekommen.

WIn den ersten Tagen sitzen die Uferschnepfen noch nicht so viel bzw. Lange auf den Eiern – sie brüten erst, wenn das Gelege vollständig ist. Der Grund ist, dass die Küken zeitgleich schlüpfen sollen, denn das älteste Küken kann nicht mehrere Tage warten, bis alle andere geschlüpft sind. Es würde in der Zwischenzeit verhungern. Uferschnepfen wollen die Küken auf einem ähnlichen Stand haben, sie beieinander halten und mit ihnen dahin gehen können, wo die beste Deckung und die meisten Insekten zur Verfügung stehen.

Dies hast zur Folge, dass die Eier in den ersten Tagen ungeschützt sind – so können sie schnell zur Beute werden. Dann muss das Uferschnepfenpaar von vorne beginnen oder die verbliebenen Eier ausbrüten. Allerdings scheint es weniger häufig vorzukommen, dass sie auf nur zwei Eiern brüten. Manche Uferschnepfen verlassen auch das Nest, da es scheinbar durch Räuber entdeckt wurde und somit nicht mehr sicher ist. Andere verbleiben beim alten Nest, in der Hoffnung, dass es doch noch gut geht. Selbstverständlich müssen sie nicht nur an die Sicherheit der Eier denken, sondern auch an ihre eigene.

Jedoch sind nicht nur die ersten Tage gefährlich, auch die letzten Tage sind risikoreich, denn die Eier beginnen, Laute von sich zu geben. Dies können Fressfeinde hören und werden so zum Nest geführt.

Wir hoffen jedoch, dass die Brutzeit der Uferschnepfe, trotz den vielseitigen Gefahren, erfolgreich verläuft!

 

Der Beginn einer spannenden Zeit

Die ersten Eier sind bereits gelegt, was bedeutet, dass das Uferschnepfenpaar circa 23 Tage lang an einem bestimmten Ort gebunden ist. Das Nest muss jedoch gut verborgen bleiben, denn das Brüten ist nicht ganz ungefährlich und auch die Eier werden gerne von Fressfeinden verzehrt.

Uferschnepfen legen in der Regel vier Eier, in täglichem Abstand. Die Eier sind grünlich-bräunlich gefärbt. Das soziale Verhalten der Vögel ändert sich in dieser Zeit – sie werden weniger sozial und verbringen weniger Zeit innerhalb von Gruppen. Sie werden zudem aufmerksame und aggressiver gegenüber Eindringlingen innerhalb ihres Territoriums.

Was nun häufiger zu beobachten ist, sind alerte Vögel. Diese stehen irgendwo und schlafen mit einem geöffneten Auge oder laufen ein wenig in der Nähe des Nestes umher, um aufmerksamen Auges zu fressen. Den Partner sieht man nicht, denn dieser befindet sich im bzw. auf dem Nest. Selbst bei relativ kurzem Gras kann die Uferschnepfe vollkommen auf der Sicht verschwinden. Hierzu haben sie eine Kuhle im Boden geformt, welche eine tiefe Sitzposition erlaubt. Ist das Gras nur wenige Zentimeter hoch, kann man gerade noch so den Kopf herausschauen sehen. Ist das Gras jedoch höher, so verschwindet der brütende Vogel vollständig aus der Sicht.

Manchmal ist die Lage eines Nestes nur anhand der gebogenen Grashalme zu erkennen. Es hat die Form eines Zeltes oder eines Vulkans; manchmal ist es von oben bedeckt, sodass es beinahe nicht zu finden ist. Ist Gefahr im Verzug, so erklingt ein Alarmruf über die Wiese. Oftmals nisten mehrere Paare in der Nähe, sodass immer jemand Bescheid geben kann, sollte etwas Verdächtiges oder Gefährliches sichtbar werden. So können die Uferschnepfen auch in der Gruppe versuchen, Fressfeinde in die Flucht zu schlagen. Krähen, Bussarde oder ähnliche Prädatoren bekommen so die volle Bandbreite, auch wenn sie nur zufällig vorbeifliegen sollten. Uferschnepfen, Kiebitze und Austernfischer befinden sich in Nähe voneinander – und halten in solchen Fällen zusammen.

Noch einmal zurück zum Nest: Die Vögel auf dem Nest sehen die sich nähernde Gefahr nicht; bei Alarm strecken sie den Hals und schauen, wer oder was näher kommt. Ist die Lage weniger spannend, so ziehen sie sich wieder zurück. Wenn es tatsächlich gefährlich wird, fliegen sie auf. Hierbei wird kein Alarm abgegeben, schliesslich soll die Lage des Nestes weiterhin geheim bleiben. Haben sie einen gewissen Abstand zum Nest, so wird Alarm geschlagen und sich an dem Verjagen des Prädators beteiligt. Beide Partner brüten übrigens abwechselnd, wobei sich bei Gefahr beide gleich verhalten.

Die schwierigen drei Wochen Brutzeit sind abgebrochen – und auch wenn die Küken geschlüpft sind, wird es nicht wirklich leichter- dann muss den Jungen natürlich auch noch so einiges angelehrt werden.

 

Welche Arten gehören zu den Wiesenvögeln?

Das die Uferschnepfe ein Wiesenvogel ist, das ist den meisten Leuten klar. Aber sind auch Wasservögel Wiesenvögel? Gehören auch Singvögel zu den Wiesenvögeln? In der Regel gilt: Wer im Weideland brütet, gehört zu den Wiesenvögeln. In der Praxis werden oft auch diejenigen Arten, deren Jungen im Weideland gross gezogen werden auch noch zu den Wiesenvögeln gezählt.

Die bekanntesten Wiesenvögel sind die Stelzenläufer

Kiebitz, Uferschnepfe, Kampfläufer und Bekassine kommen ursprünglich aus den Morast- und Ufergebieten und ziehen in die Weiden, um dort zu brüten. Austernfischer und Rotschenkel sind ursprünglich Küstenvögel, die unter anderem das Weideland verwenden, um dort ihre Eier zu legen und die Jungen aufzuziehen. Die genannten Arten haben eine Vorliebe für Würmer, fressen jedoch auch Kohlschnakenlarven und teilweise auch Insekten. Feuchtes Land ist also eine wichtige Voraussetzung, andernfalls gelingt es den Vögeln nicht, mit ihrem Schnabel im Boden nach Nahrung zu graben. Um das Land für diese Vögel geeignet zu machen, hat der Besitzer der Ländereien, auf denen die Webcams aufgestellt sind, den Wasserspiegel erhöht und zwei Feuchtwiesen angelegt. Letztes Jahr konnten auf den mit der Webcam beobachtbaren Ländereien Brutpaare des Kiebitz, der Uferschnepfe, des Rotschenkels und des Austernfischer beobachtet werden.

Auch Wasservögel sind Wiesenvögel

Wildente, Löffelente, Krickente, Knäkente, Schnatterente, Reiherente sind Wasservögel, die im Weideland brüten. Auch die Brandgans wird zu den Wiesenvögeln gezählt, da sie ihre Jungen auch in den Wiesen aufzieht. Die Entensorten erwartet man in der Regel an den Ufern des Weiselandes, aber es kann vorkommen, dass die während der Feldarbeiten auch weiter mittig zu finden sind. Letztes Jahr wurden auf den mit der Webcam beobachtbaren Ländereien Brutpaare der Löffelente, Schnatterente, Wildente, Knäkente und der Reiherente gesichtet. Die Brandgans ist ein kleiner Sonderfall, denn sie ist ein Höhlenbrüter.

Die singenden Wiesenvögel

Ein schönerer Vogellaut als der Gesang der Feldlerche ist kaum zu finden. Hoch in den Lüften kann man den Gesang dieses kleinen Wiesenvogels wahrnehmen. Auch die Feldlerche, die Gebirgsstelze, die Wiesenpieper, das Braunkehlchen und die Grauammer sind Singvögel, die im Weideland brüten. Ihre Nester sind sehr schwierig zu finden. Letztes Jahr wurden hier Feldlerche, Wiesenpieper und Gebirgsstelze beim Brüten beobachtet – wir sind gespannt, welche Singvögel wir dieses Jahr beobachten oder hören können.

Es gibt noch viel, viel mehr

Zwei Arten, die eine wichtige Rolle auf der Wiesenvögel-Webcam spielen, sind Säbelschnäbler und Fluss-Seeschwalbe. In 2015 konnte man in diesem Gebiet ganze 17 Brutpaare der Fluss-Seeschwalbe und 29 Brutpaare des Säbelschnäblers beobachten. Auf der kleinen Insel, welche von der Webcam ins Bild gebracht wird, brüteten mehrere Paare beider Arten, sodass einiges zu sehen war. Und wer weiss, vielleicht wird das 2016 auch wieder so sein. Oder vielleicht lässt sich auch der Flussregenpfeifer sehen; eine Art, die nicht direkt zu den Wiesenvögeln zählt.

 

Endlich live

Endlich ist es so weit – die Webcam der Wiesenvögel ist live!

Bisher war es vor allem der Austernfischer, der den anderen Vögel die Show stiehlt: baden, prahlen und Nahrung suchen. Aber auch diejenigen, die noch nicht zu sehen, sondern nur zu hören waren, sind bemerkenswert. So konnte man die Rufe von Kiebitz, Säbelschnäbler, Möwen, Großer Brachvogel , Brandgans, Blässhuhn und sogar ab und zu den Ruf der Feldlerche hören.

Am Rande des Feuchtgebietes, am sogenannten Polderdeich, ist täglich eine grosse Gruppe Austernfischer zu sehen. Die ganze Brutsaison über werden sie zu sehen und zu hören sein; man sollte aber im März noch keine Gelege erwarten, denn die Brutzeit beginnt i.d.R. erst im April.

Auf dem Weideland gegenüber der Webcam hat der Bauer, dem die Ländereien gehören, einen Güllemix verteilt. Auf der Webcam lassen sich dort in klein die Kiebitze sehen. Der Güllemix besteht aus Stroh und den festeren Bestandteilen von Kuhdung (der wässrige Teil wurde abgeleitet). Die festen Bestandteile sorgen für viel Mikroleben im Weideland um das Feuchtgebiet, was wiederum dafür sorgt, dass mehr Nahrung für die Wiesenvögel verfügbar ist. Die Strohelemente können wiederum vom Kiebitz für den Nestbau verwendet werden.

Erwartungen in der kommenden Woche

In den kommenden Wochen wird es noch eher ruhig zugehen. Wir fragen uns, ob das Folgende sichtbar sein wird:

• Werden wir die ersten Gruppen Säbelschnäbler sehen können?

• Wird der Balzruf des Kiebitz hörbar sein, wenn das Wetter wieder milder wird?

• Wird der erste Rotschenkel am Randes der kleinen Insel nach Futter suchen?

• Wird der Austernfischer durchgängig im Bild bleiben?

• Werden wir verschiedene Entensorten sehen können? Wir müssen noch ein wenig Geduld haben.

Selbst wenn nicht alles sichtbar ist, so können wir auch gespannt verfolgen was so alles hörbar im Hintergrund passiert. Wir sind gespannt!

Diese Website benötigt Cookies, um alle Funktionen korrekt ausführen zu können. Zu den Datenschutzbestimmungen