Welches Futter für welchen Vogel

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Welches Futter für welchen Vogel?

Die Futtervorlieben der Körner- und Weichfresser

Viele Menschen fangen erst im Herbst an, ihre Futterhäuschen zu säubern und mit frischem Vogelfutter zu bestücken. Da ich ein Freund der Ganzjahresfütterung bin, entfallen solche Arbeiten, wohl aber wechselt das Futterangebot etwas, denn im Winterhalbjahr ist es einfacher, auch Fettfutter anzubieten, welches im Hochsommer oft beginnt, sehr weich oder bei großer Hitze auch schlecht zu werden! Da nun aber die Tage kürzer werden und auch zunehmend kühlere Temperaturen herrschen, sollten wir auf jeden Fall mit der Fütterung beginnen.

Einige Vögel bleiben ja in den letzten Jahren immer häufiger in mehr oder minder großen Zahlen bei uns, z.B. bei den Singvögeln Feldlerchen, Bachstelzen, Hausrotschwänze, Mönchsgrasmücken, Zilpzalpe, Heckenbraunellen, Stare und Rohrammern. Je abwechslungsreicher das Angebot in den Futterhäuschen ist, desto größer wird die Möglichkeit, auch „Weichfresser“ anzulocken! Wir müssen uns also nicht wundern, wenn plötzlich ein ganzer Starenschwarm, ein schlicht gefärbter Hausrotschwanz oder gar eine Mönchsgrasmücke am Futterhaus erscheint. In manchen Wintern beglücken uns die aus nordischen Ländern einwandernden bunten Seidenschwänze, die vor allem Beeren, Äpfel und Misteln verzehren. Energiekuchen mit Beeren werden aber auch angenommen. Ganz wichtig ist, dass wir schon frühzeitig mit der Winterfütterung beginnen sollten und nicht erst bei Frost und Schnee! Schon mehrfach habe ich erwähnt, dass folgender Grundsatz gilt: Wir sollten stets darauf achten, dass unser verabreichtes Futter genügend Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate in einem ausgewogenen Verhältnis enthält. Die unterschiedlichen Arten suchen sich dann das Futter aus, was ihnen am besten schmeckt: Amseln, Rotkehlchen und Goldammern fressen sehr gerne Haferflocken oder auch Streufutter, am liebsten am Boden. Rotkehlchen, Amseln, Stare, alle Meisen, Schwanzmeisen, Hecken¬braunellen und Feldsperlinge hängen sich aber auch oft an die Energieblöcke, die neben Fett auch Sämereien, getrocknete Insekten und Beeren enthalten. Das gilt auch für die „Meisenknödel“, an denen sich auch Bunt- und Mittelspechte, Stare, Feldsperlinge, Erlen- und Birkenzeisige, Stieglitze und Bluthänflinge beobachten lassen. Amseln, Wacholder-, Rot- und Singdrosseln laben sich gerne an faulen Äpfeln, die wir am Boden verteilen sollten. Vor allem das Fettfutter liefert genügend Energie, um auch sehr kalte Nächte schadlos überstehen zu können!

An unseren Futterstellen, die durchaus nicht nur innerhalb der Ortschaften eingerichtet werden sollten, herrscht stets munteres Treiben und manchmal macht sich das ein Jäger wie der Sperber zunutze. An den Martinsweihern bei Niederwalgern haben sich sogar Turmfalken auf die Singvogeljagd spezialisiert. Und manchmal kommt sogar unser kleinster Falke, der Merlin! Urplötzlich fliegen dann alle Vögel auf und verschwinden in der nächsten Hecke, aber manchmal sind die Beutegreifer schneller. Darüber sollte man sich aber nicht ärgern, denn es werden vorwiegend unvorsichtige oder kranke Vögel erbeutet! Auch Elstern, Eichelhäher, Rabenkrähen und Dohlen erscheinen manchmal in Schwärmen an unseren Futterstellen, aber wir sollten sie nicht vergrämen, denn auch sie gehören zu den geschützten Vögeln. Wenn Futterreste zu Boden fallen, kommen sogar Grau-, Kanada und Nilgänse, Stock-, Schnatter- und Krickenten, Rebhühner sowie Bläss- und Teichhühner regelmäßig an die Futterstellen. So zum Beispiel an den Martinsweihern bei Niederwalgern.

Das Beobachten der unterschiedlichen Arten mit ihren Futtervorlieben und Rangordnungen kann vor unseren Fenstern, Gärten und Parks zu einem interessanten Erlebnis werden. Dabei rate ich, nicht nur genau zu registrieren, welche Vogelarten welches Futter verzehren, sondern auch auf das Verhalten, die Konkurrenz untereinander und auf die Anzahlen zu achten. So können wir sogar Bestandstrends der Herbst- und Wintervögel erkennen, um eventuell Schutz-maßnahmen bei immer seltener werdenden Arten einzuleiten!

Prof. Dr. Martin Kraft


 

Vivara Vogelfutter

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