Wildbiene des Jahres - die Mai-Langhornbiene

von Prof. Dr. Martin Kraft

MIO – Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie e.V.

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für das Jahr 2021 die Mai-Langhornbiene (Eucera nigricens) ausgewählt, eine Bienenart, die etwas größer als eine Honigbiene ist und deren Männchen auffallend lange Antennen (Fühler) tragen, die ihnen den Namen gaben. Zudem zeigen sie ein gelbes Kopfschild. Die Männchen sind regelrechte Flugkünstler, denn sie patrouillieren in teilweise atemberaubenden Flügen an den Nahrungspflanzen und warten dabei auf die Weibchen. 

Beide Geschlechter sind pelzig orange-braun behaart. Die Mai-Langhornbiene hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen, denn sie besucht nur Schmetterlingsblütler und ist oft an der Zaun-Wicke (Vicia sepium) zu finden. Diese Pflanze ist auf Wiesen, an

Weg- und Waldrändern und bei uns im Marburger Raum hauptsächlich in Kiesgruben zu finden. Die Männchen fliegen ab etwa Mitte April bis Anfang Mai und markieren ihre wilden Flugbahnen mit Duftstoffen. Die Weibchen legen zumeist an ziemlich vegetationsfreien, sandigen oder lehmigen Stellen Bodennester an, in denen sie im hinteren Teil einen nicht geformten Pollenvorrat anhäufen. Ab etwa Mitte Juni sterben die Weibchen, wenn die Nester fertig gestellt sind. Dort, wo Zaunwicken blühen, kann man Mai-Langhornbienen gut beobachten. Diese Pflanze ist zwar nicht gefährdet, aber sie verschwindet dort, wo die Landwirtschaft zu intensiv betrieben wird. Damit kommt es an manchen Orten auch zum Lebensraumverlust der Mai-Langhornbiene, die in einigen Bundesländern auf der Roten Liste steht, insgesamt aber (noch) nicht gefährdet ist. Die Anlage von Brach- oder Blühflächen und extensive Landwirtschaft fördern die Nahrungspflanzen und damit auch die interessanten Mai-Langhornbienen. Wichtig ist immer, dass man den entsprechenden Naturräumen gemäße Saatgutmischungen ausbringt, welche die dort typischen Pflanzen hervorbringen. Solche Flächen sollten aber mehrjährig bestehen, weil dadurch auch ein guter Schutz der Bodennester gewährleistet ist. Bunte Wiesen und andere Bereiche sollten aber nicht vor Anfang Juni gemäht werden, manche Bereiche sogar noch später. Zudem sollten wir auch im unmittelbaren Wohnfeld Blumenwiesen und mager bewachsene Flächen zulassen und anlegen, wo immer es möglich ist. Im Raum Marburg konnten wir durch entsprechende Schutzprogramme in der offenen Kulturlandschaft, aber auch innerörtlich, zunehmend blumenreiche Wiesen und Blühflächen mit standorttypischen Pflanzen anlegen, die vielfach auch von den Landwirtschaftsämtern gefördert werden. Glücklicherweise machen immer mehr Leute mit, weil diese Flächen nicht nur der Mai-Langhornbiene, sondern vielen anderen Kleinlebewesen, Säugetieren und Vögeln gefallen. An etwas feuchteren Stellen kommen Amphibien, an trockenen Stellen Reptilien hinzu.

Ich persönlich bin ein großer Fan von unseren Wildbienen und anderen Hautflüglern, weil man sie durch entsprechende Maßnahmen rasch ansiedeln und ihre interessante Lebensweise hautnah studieren kann. 

Gerade in der heutigen Zeit mit deutlichem Insektensterben in naturarmen Bereichen ist es enorm wichtig, dass wir uns möglichst flächendeckend für deutlich mehr Biodiversität einsetzen. Deshalb ist die jährliche Wahl von auffälligen oder auch bedrohten Tieren und Pflanzen eine wirklich gute Sache, um Menschen für den Naturschutz zu sensibilisieren und unserer arg geschundenen Natur zu helfen. 

Wirtschaftlicher Fortschritt darf nicht zu mehr Fortschreiten von unserer natürlichen Umwelt führen.

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